How NOT to Bachelorarbeit – eine Hilfe für Hilflose

So wie ich mich vor und während meiner Bachelorarbeit gefühlt habe, müsst und sollt ihr euch nicht fühlen. Hier möchte ich meine Erfahrungen und Fehler mit euch teilen, sodass ihr eventuell den ein oder anderen Tipp für euch mitnehmen könnt.

Hallo und herzlich willkommen zum Beitrag „How NOT to Bachelorarbeit – eine Hilfe für Hilflose“,

erst einmal möchte ich euch sagen, dass ich haargenau weiß, wie ihr euch aktuell fühlt. Vielleicht habt ihr das Ganze auch schon hinter euch oder steht dem kurz bevor. Eventuell seid ihr aber auch schon mittendrin. Zuerst die gute Nachricht: Ihr werdet das schaffen! Jetzt die schlechte Nachricht: es wird für den ein oder anderen vielleicht kein Zuckerschlecken und teilweise eine Qual. Dennoch: sie wird sich am Ende mehr als lohnen.

Wo beginne ich denn überhaupt? Perfektes Stichwort! Die erste Frage die ich mir damals („Damals“, das klingt als wäre es schon eine Ewigkeit her :-D) gestellt habe:

Ich fange dann einfach mal irgendwo an – aber wo?

Ich muss gestehen, dass mich dieses ganze „Gegoogle“ wirklich verrückt und unsicher gemacht hat. Egal ob Youtube-Videos mit den Titeln „In einer Woche zur Bachelorarbeit“ oder Artikel von Websiten, wo das Ziel war irgendeinen teuren Ratgeber zu kaufen. Na dann. Auch Tipps von anderen haben mir nicht unbedingt geholfen. Das Problem: Jeder Fachbereich, jede Universität, jeder Studiengang, jeder Dozent möchte eine andere wissenschaftlichen Arbeit. Am besten sollte man sich also darum kümmern, dass man sich einen Betreuer auswählt, der genügend Zeit und Möglichkeiten hat, um auf all eure Fragen eingehen zu können. Ich weiß, dass mir viele den Tipp gegeben haben, dass ich mir ein Thema aussuchen sollte, was mich interessiert und das auch das Wichtigste sei, aber im Nachhinein ist für mich die Wahl des Betreuers die wichtigere Wahl. Es gibt natürlich auch Menschen, die machen lieber alleine ihr Ding und sind ein Naturtalent in Sachen Bachelorarbeit, ich hingegen musste alles lernen. Vom wissenschaftlichen Schreibstil, bis hin zur Literatursuche.

Betreuer ist egal, interessantes Thema ist wichtig!

Auch hier lag ich persönlich total daneben. Somit ist dies für mich im Nachhinein die wichtigste Entscheidung gewesen. Egal was andere euch raten, der Betreuer ist die Person, die euch am Ende bewertet und somit die Person die euch sagen kann, was sie am Ende sehen will. Von den Erzählungen meiner Freunde gibt es da nämlich himmelweite Unterschiede. Die einen hatten super Betreuer, die deren Bachelorarbeit regelmäßig gelesen und zusammen mit Ihnen besprochen haben (in dem Maße, wie es natürlich zulässig ist), andere hatten annähernd 0 % Betreuung. No guter Betreuer, no gute Bachelorarbeit.

Unmengen an Fachbüchern lesen

Absolut nein! Damit habe ich einige Zeit verschwendet, auch wenn hin und wieder ein paar gute Infos dabei waren. Was mir dann (besonders emotional) wirklich den entscheidenen Antrieb gegeben hat, war das Buch „Frei geschrieben“ von Judith Wolfsberger. Dieses Buch habe ich mir selbstgekauft und es ist weder eine Kooperation noch ein PR-Sample. Diesen Tipp hat mir eine von meinen Abonennten gegeben und der Goldwert!

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Das Buch holt einen immer wieder an genau der Stelle ab, wo man gerade hängt. Man muss es meiner Meinung nach nicht erst einmal am Stück lesen, sondern kann immer wieder zwischen den Kapiteln hin und her springen. Ich habe einige Kapitel mehrmals gelesen. Insgesamt habe ich bestimmt fünf Bücher zum Thema „Wissenschaftliches Schreiben“ oder „Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit“ gelesen. Und geholfen hat es mir nicht wirklich. Es ist auch so wichtig in welchem Fachgebiet man seine Arbeit anfertigt, weil es für jedes gefühlt eigene Richtlinien und Vorgaben gibt. Dieses Buch ist generell für alle, die einfach den Anfang suchen, oder in der Mitte hängen, oder wieder motiviert werden müssen. Absolute Empfehlung!

Warten, bis man in diesen „Schreibfluss“ kommt

Einfach anfangen! Ohja, es hat wirklich gedauert bis ich diesen Tipp wirklich verstanden habe. Wie soll man den einfach anfangen, wenn man keine Ahnung hat wie? Diese Frage habe ich mir auch immer gestellt. Das Geheimnis dahinter ist der damit angestoßene Prozess! Ich hatte zu dem Zeitpunkt so viel gelesen und wusste noch gar nicht, wie ich das in einen wissenschaftlichen Text bekommen soll. Ich hatte wochenlang Bauchschmerzen, weil ich ewig nach Literatur gesucht habe und nur gelesen habe. Wieder ein Tag ohne einen Satz. Deprimierend! Später merkte ich, dass es völlig normal war erstmal kein Wort zu schreiben. Doch den eigentlich Anfang zu finden war das Schwierigste. Ich war wie blockiert. Und wie schon oben gesagt, dann kam der Tipp „Einfach anfangen“ – schreiben wie du es umgangssprachlich sagen würdest ohne darauf zu achten welche Zeitform, wie es klingt, welche Fehler zu machst, oder ob es überhaupt wissenschaftlich korrekt ist. Und so erstellte ich ein leeres Dokument für jedes Kapitel und schrieb einfach drauf los, was ich dazu durch das viele lesen wusste. Zu sehen, dass sich die Seiten langsam füllten, hat mir sehr geholfen!

Diese verflixte Literaturrecherche!

Ich glaube die Literaturrecherche war der Teil, den ich am schlechtesten gemeistert habe. Einfach weil ich keine Ahnung hatte, wie eine gute Literaturrecherche aussieht. Ich habe mir zwar unzählige Youtube-Videos angeschaut, aber so richtig schlau bin ich draus nicht geworden. Ehrlicherweise kann ich euch hier auch nicht sagen, dass ich jetzt ein Meister darin bin. Ich habe es einfach „irgendwie“ gemacht, weil es niemanden gab, der uns das damals im Studium beigebracht hat. Wir hatten im Modul Epidemiologie einmal kurz eine Stunde dazu, aber niemals in der Gänze wie man es hätte können müssen. Egal. Dinge die ich euch mitgeben kann, die ihr NICHT nachmachen sollt:

  • Lesen, lesen, lesen ohne sich Notizen oder Übersichten zu machen! Ich hätte es wie eine Freundin machen sollen. Jeder Text, jede Studie, jedes Review in kurzen Worten zusammenfassen. In ein neues Word-Dokument und mit einer kurzen Zusammenfassung festhalten und mit den wichtigsten Schlagworten versehen. Somit könnt ihr später mit dem überaus hilfreichen Shortcut „Strg + F“ im Dokument immer wieder nach den Infos suchen, die ihr mal gelesen habt und habt direkt die Quelle mit dabei. Das ist am Anfang vielleicht mühselig, aber es lohnt sich am Ende total!
  • Einzelkämpfer bis zum bitteren Tod. Sucht euch jemanden, der sich mit Literaturrecherche gut auskennt! Ich habe mich da alleine versucht durchzuwurschteln und habe mich teilweise extrem verrannt. Ich saß stundenlang davor und am Ende stand ich gefühlt wieder vor keiner richtigen Quelle. Es kommt eine Flut von Schriftstücken auf einen zu und niemand sagt euch, welches ihr jetzt verwenden könnt, oder welches nicht zu gebrauchen ist. Diese Hilflosfigkeit hat mir teilweise so viel Kraft geraubt. Und selbst jetzt kann ich euch nicht sagen, dass ich es kann, sondern nur dass ich an dieser Stelle mehr Hilfe gebraucht hätte. Das hat mich am Ende sehr wichtige Zeit gekostet.

Roter Faden – wer braucht das schon?

Auch ein schöner Fehler. Einfach anfangen, ohne Struktur. Don’t do that! Setzt euch hin und macht euch eine Mindmap. In die Mitte kommt euer Thema. Dann schreibt ihr alles auf das Blatt, was euch dazu einfällt und was ihr unbedingt damit untersuchen möchtet. Egal welche Begriffe! Schreibt erst einmal alles auf und dann sortiert ihr es in eure Mindmap mit Verbindungsstrichen ein. Daraus könnt ihr oft schon das vorläufige Inhaltsverzeichnis erkennen. Das Inhaltsverzeichnis wird sich noch oft ändern, aber somit habt ihr schon mal einen Roten Faden und eine grobe Struktur. Wichtig hierbei ist auch die Information: Eure Bachelorarbeit solltet ihr eurem Papa, eurer Mama, dem Freund, der Freundin geben können (sofern fachfremd) und diese sollten eure Arbeit ohne Hintergrundwissen verstehen können. Fragt euch immer wieder, ob dieses oder jenes Kapitel zu eurem Roten Faden (der Beantwortung der wissenschaftlichen Fragestellung) beiträgt. Wenn nicht – raus damit.

Am Ende hat man noch genug Zeit!

Falsch. Am Ende wird es (immer) eng! Was mir am Ende wirklich gefehlt hat war die Zeit. Nicht die Zeit zum Schreiben, sondern die Zeit für den Feinschliff und die kleinen Formatierungen. Für Das Korrekturlesen solltet ihr auch reichlich Zeit einplanen. Gegen Ende ist man einfach total am Ende – man hat absolut keine Lust mehr seine Arbeit überhaupt durchzulesen. Zumindest erging es mir so. Ich liebte mein Thema, habe aber den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen und wollte – metaphorisch – nie wieder in diesen Wald zurück, geschweige denn einen Fuß dareinsetzen! Genau deswegen wäre es besser gewesen, wenn ich am Ende etwas entspannter gewesen wäre. Daher gab es dann nach ziemlich vielen Nächten ohne Schlaf eine gedruckte Version, die nicht ganz perfekt war. Ich weiß, dass man fast immer nach dem Druck noch Fehler findet, aber es waren einige, die vielleicht nicht hätten sein müssen. Zudem habe ich die Menschen die mir am Ende geholfen haben nochmal drüberzulesen verrückt gemacht. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an Kevin, Nina, Eva, Lena und meinen Bruder ;-))

Aber es ist einfach Fakt: am Ende will man dieses Arbeit einfach nur weghaben und abgeben, trotz dieser komischen Unsicherheit in seinem Bauch, ob das alles so richtig und auch gut war.

Panic at the disco!

Halleluja was habe ich Tränen vergossen. Tränen der Verzweiflung! Es gibt nur zwei Gründe für mich, warum man überhaupt prokrastiniert und etwas aufschiebt.

1. Du weißt genau was du tun musst, hast aber keine Lust

2. Du weißt absolut nicht was du tun musst, hast aber Lust

Die fast komplette Zeit habe ich mit Punkt 2. verbracht und erst am Ende kam dann Punkt 1. Das heißt ich hätte diesen Prozess viel einfache haben können, wenn ich einfach wirklich gewusst hätte, wie ich das machen soll. Aber anscheinend ist es im wissenschaftlichen Bereich gang und gebe, dass „jeder dadurch muss“ und „niemand weiß wie das geht“. Anscheinend ist das in Mode gekommen, dass man Studentinnen und Studenten nach 3 Jahren Regelstudienzeit die letzte Lebensenergie raubt, um sie mit dieser Herausforderung vollkommen allein zu lassen. Und es hilft überhaupt nicht, wenn Freunde, Bekannte oder wer auch immer Sätze sagt wie:

„Da muss jeder durch“

„Das ist eben einfach so“

„Das haben schon ganz andere geschafft“

„Niemand weiß wie das richtig geht – man macht es einfach“

Tut mir echt leid, aber das ist für mich der absolute Fehler im System! Man muss den Menschen von Anfang an beibringen, wie man das zu bewältigen hat, um es zu lernen. Was bringt es denn, wenn wir Menschen so eine miese Erfahrung mitgeben, dass sie sich drei Mal überlegen überhaupt in der Wissenschaft zu bleiben? Ich weiß, dass es an anderen Universitäten anders ist. Dort gibt es Schreib-Module, Seminare, Unterstützung und Kurse, die einem das Ganze beibringen. Ich hätte mir gewünscht, dass ich schon in früheren Semestern gelernt hätte, wie man das alles macht.

Fazit

Jeder ist individuell. Es gibt die Menschen, die damit überhaupt kein Problem haben und denen es total in den Schoß fällt. Es gibt aber auch Menschen wie mich, denen weder der wissenschaftliche Schreibstil, noch die strukturierte Vorgehensweise leicht fallen. Ich habe es nie gelernt oder vorher lernen müssen. Dadurch habe ich mich da wirklich teilweise  durchgequält. Ich hätte mir gewünscht, dass es anders gelaufen wäre. Natürlich ist man am Ende super Stolz auf sich selbst, aber dieser fiese Beigeschmack bleibt. Was ich euch sagen kann: ihr werdet das schaffen. Das steht generell außer Frage und die Zweifel daran sollten nie präsent sein (auch, wenn es hin und wieder vorkommt). Ich weiß, dass ich hier nicht alle Bereiche abdecken kann, um euch optimal zu unterstützen, aber vielleicht könnt ihr aus meinen Fehlern lernen. Dieser ganze Prozess ist nicht unbedingt schön. Aber versucht einfach das für euch Beste daraus zu machen. Wenn euch unrealistische Notenziele bedrängen, dann lasst sie los. Ihr wollte es schaffen und überleben. Fangt klein an. Vor allem Schritt für Schritt. Wer am Ende nur die Spitze des Berges betrachtet, der wird vor Angst erstarren. Teilt euch diesen Monsterberg ein und fangt ganz langsam an. Und denkt immer dran: ihr könnt teile des Weges zusammen laufen. Egal ob mit dem Betreuer, Freunden oder Bekannten. Lasst euch helfen! Redet darüber! Redet über eure Empfindungen. Ohne die seelische Unterstützung meines Partners, meiner Freunde und meiner Familie hätte ich das nicht heil überstanden.

Und jetzt zum Abschluss: ihr werdet das schaffen!

Ich drücke euch (virutell) und wünsche euch ganz viel Durchhaltevermögen. Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen 😉

Stay home & stay safe!

Eure Laura

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Klaus Hagen sagt:

    Hallo Laura, Gratulation zum bestandenem Studium. Schade das wir uns nun nicht sehen, denn ich wollte ja mit nach Sylt wo Du auch einen Vortrag halten wolltest. Nun muss ich alleine fasten.

    Herzliche Grüße Klaus ( Hagen)

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    1. lustesser sagt:

      Lieber Klaus,

      das ist wirklich sehr schade & ich werde denke ich auch alleine Fasten. Genieß trotzdem diese besondere Zeit für dich & bleib gesund.

      Ich sende eine liebe virtuelle Umarmung 🙂

      Laura

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  2. Ich habe meine Bachelorarbeit auf einem Buch aufgebaut, aber im Grunde ohne Zitate geschrieben. Da man aber in der Wissenschaft nicht an eigene Ideen glaubt, wenn jemand schon einmal eine ähnliche hatte, musste Quellen her.
    Die Quintessenz jedes Absatzes kurz in Google gehackt, ein Ergebnis aus Google Books gewählt und das entsprechende Zitat eingebaut. Vom Sprachforscher im 18. Jahrhundert bis Tupac Shakur konnte ich alles unterbringen.

    Allerdings muss für sowas eben auch die Arbeit an sich geeignet sein. Nicht in jedem Studienfach kann man so vorgehen. Oder zumindest nicht so einfach.

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    1. lustesser sagt:

      Vielen Dank für das Feedback 🙂

      Liebe Grüße,

      Laura

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